Jamaica
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"Yah man - No problem" *


Die Idee einen Urlaub auf Jamaica zu verbringen stammt keineswegs von mir. Verband ich damit doch alle gängigen Klischees aus Bacardi-Werbung, James Bond und was man sonst halt so glaubt zu wissen. Jedenfalls nichts, was mich hätte motivieren können, einen Urlaub ausgerechnet dort zu verbringen, insbesondere in Anbetracht meiner sehr vielen, stärkeren und noch unerfüllten und ebenfalls recht teueren Urlaubsträume wie Australien, Neuseeland, Island, Baikalsee, Chile, Venezuela - die Liste ließe sich noch lange fortsetzen
Es kam anders, wie so oft im Leben, durch meine bessere Hälfte. Nach unserem sehr kühlen Azoren-Urlaub im letzten Jahr wollte sie sich auf keinen Fall wieder den "A**** abfrieren". Nun, wer das nicht will, liegt mit einem Reiseziel in der Karibik sicher richtig. Meine Frau hatte zudem bereits einige Hintergrundinformationen über Land und Leute gesammelt. Nachdem Kuba aus verschiedenen technischen Gründen ausgeschieden war, ließ ich mich also auf Jamaica ein. Als Kompromiss "handelten" wir eine Woche Rundreise und eine Woche All-Inklusive in Negril aus, gebucht bei dem Veranstalter mit dem genialsten Logo aller Zeiten. Ich hatte ein Einsehen. Nach den Azoren war schließlich ich mal mit einem Kompromiss dran. Und tatsächlich begann ich mich langsam nicht nur damit abzufinden, sondern anzufreunden. 


Von "ausgeraubten Touristen" und anderen Schauermärchen

"Schauermärchen" nicht weil solches nicht etwa passiert wäre, sondern weil beinahe jeder, dem ich von unserer Reise erzählt habe, begann damit uns zu warnen. Etwa so: "Au, Jamaica, da passt mal bloß auf, da werden regelmäßig Touristen ausgeraubt, außerdem sollen die sehr aufdringlich sein".

Solchermaßen verunsichert begann ich im Internet zu suchen, unter anderem auf der Seite des auswärtigen Amts: Das gleiche Bild. Dann auf einer Reiseseite mit Rückmeldungen von Reiseteilnehmern. Hier war auf einmal alles völlig anders: Von 33 befragten fanden 32 den Urlaub absolut toll. Es gab keinerlei Hinweise auf diesbezügliche Probleme.

Ich begann nachzudenken und zu forschen und schloss: Alle, die uns "warnen" wollten, waren nie selbst auf Jamaica gewesen. Also verbale Wichtigtuer, die wir erst mal abhakten. Das Auswärtige Amt muss schon aus Prinzip warnen, die bekämen sonst im Schadensfall womöglich haufenweise Klagen an den Hals. Auch in den gedruckten Reiseführer waren entsprechende Hinweise zu finden, sicherlich aus dem gleichen Grund. Die vorgeschlagenen Sicherheitsvorkehrungen unterschieden sich jedoch in nichts von jeglichem andern Urlaubsziel. Es war schon ein kurioses Bild: Negativinfos aus zweiter Hand, Positivinfos aus erster Hand. Wie kommt sowas? Ein klarer Fall: Es kommt von einschlägigen Statistiken! Ich will jetzt keineswegs den abgewetzten Spruch "Glaub nur an Statistiken, die Du selbst gefälscht hast" bemühen, dazu ist die Angelegenheit zu ernst. Aber ich bin der festen Überzeugung, dass sich die für obige Warnungen bemühten Statistiken auf einen landesweiten Durchschnitt berufen und nicht wie eigentlich notwendig, die lokalen Gegebenheiten berücksichtigen. Es wird Ihnen sicherlich einleuchten, dass es einen gewichtigen Unterschied macht, ob sie sich in den Slums der Hauptstadt Kingston oder in den dünn besiedelten Blue Mountains bewegen.

Also noch mal: Die Kriminalität auf Jamaica ist statistisch gesehen ziemlich hoch. Und ja, es sind Touristen beklaut und ausgeraubt worden. Bei uns im goldenen Westen fliegen dafür Flugzeuge in Türme. Lassen Sie sich nicht irre machen. Sonst setzt sich in Ihrem Kopf recht bald ein völlig verzerrtes Bild Jamaicas fest: Jeder Jamaicaner ist dann erst mal der potentielle Kriminelle, vor dem man sich in Acht nehmen muss. Meiner Meinung nach nicht nur eine völlig ungesunde Basis ein fremdes Land zu besuchen und den notwendigen Kontakt mit den Menschen herzustellen, sondern vielleicht geradezu ein Heraufbeschwören eines entsprechenden Unheils!

Im Nachhinein kann ich Ihnen versichern, dass ich mich zu keiner Zeit bedroht, wirklich belästigt oder auch nur unwohl gefühlt habe. Ich habe die Jamaicaner als ein sehr offenes, freundliches und liebenswertes Volk kennen gelernt. So liebenswert, dass dies mit Sicherheit nicht der letzte Urlaub auf Jamaica war und wir die Rundreise beim nächsten Besuch eher ausdehnen werden. Dabei bin ich keineswegs der extrovertierte Typ, der überall und sofort Kontakt bekommt und braucht, sondern eher der Einzelgänger. 
Dass man die Rolex besser zu Hause lässt und auch sonst die bei Fernreisen üblichen Sicherheitsvorkehrungen trifft sollte allerdings selbstverständlich sein.


"Jamaicaner sind aufdringlich"

Versetzen sie sich mal in die Lage eines Menschen, dessen Verdienst gerade mal reicht, das tägliche Leben zu finanzieren. Von wegen Ersparnisse ansammeln oder gar einen Luxus wie Urlaubsreisen. Nein, viele dieser Menschen müssen um ihr tägliches Einkommen regelrecht kämpfen. So liegt es auf der Hand, dass hier aktiv nach Einkommensquellen gesucht wird. Und dann kommt der weithin erkennbare Tourist. Ein Tourist ist ein Reicher! Natürlich versucht jeder der kann, ihm was anzubieten. Ob Taxi, Souvenir, Kokosnuss oder Jerk. Nicht selten ist es noch mit einem ehrlichen Interesse vermischt, etwas über den Fremden zu erfahren. 98% aller Jamaicaner werden finanziell wohl nie in der Lage sein Ihr Land für einen Urlaub zu verlassen.

Auch ich dachte bei einem kurzzeitigen Anfall von Sarkasmus bei einem Spaziergang durch Negril daran, mir einen Cassettenrecorder mit Endlosschleife und "No, thank you" um den Hals zu hängen, nachdem mich innerhalb einer dreiviertel Stunde der garantiert fünfzigste Taxifahrer mit der Frage "Taxi??" angehupt hatte. Aber es ist unfair, hier mit unserem Maß zu messen. Wir sind hier die Gäste und müssen uns darauf einstellen. Ein einfaches, freundliches aber bestimmtes "No, thank you" hat meiner Erfahrung nach immer gereicht. Aufdringlich wäre es für mich, wenn es nicht gereicht hätte.


"Jamaicaner haben einen halsbrecherischen Fahrstil"

So scheint es jedenfalls. So cool und gemächlich Jamaicaner normalerweise ihr Leben verbringen, so sehr scheinen die die "verlorene" Zeit beim Autofahren wieder hereinholen zu wollen. Doch der Schein trügt, sie wissen das, wenn sie mal selber eine Woche in Jamaica gefahren sind. Wir Europäer sind die topfebenen Straßen gewohnt. Jetzt setzen wir uns in ein Jamaicanisches Taxi. Jamaicanische Taxis haben keinen Taxameter. Der Preis wird im Voraus ausgehandelt. Der Fahrer will logischerweise schnell vorwärts kommen, damit er bald die nächsten Gäste befördern kann, und fährt die Straße, als ob sie eben wäre. Ist sie aber nicht. Dazu ab und zu eine Fast-Vollbremsung wegen eines Schlaglochs das in unserem Land einer Vollsperrung der Fahrspur würdig wäre und fertig ist der Eindruck eines räuberischen Fahrstils.

Nach etwa zwei Tagen Eingewöhnungszeit bemerkte ich, dass die Jamaicaner geschwindigkeitsbezogen eigentlich nicht so sehr anders fahren: Erlaubte Geschwindigkeit plus 20. Alles wie bei uns. Kommen noch ein paar Eigenheiten hinzu: Ein Jamaicaner überholt nicht wenn die Gegenspur frei ist, sondern wenn er der Meinung ist, dass der Entgegenkommende gefahrlos bremsen oder ausweichen kann. Vor allem in ländlichen Gebieten lauern hinter jeder Kurve Ziegen, Hühner, Hunde und Rinder, die am Straßenrand grasen und nach dem Hupton entweder stehen bleiben oder die Seite wechseln. Radfahrer wählen die Spur frei. Die Hupe ist neben Antrieb und Bremsen so ziemlich das Einzige, was an einem Auto unbedingt funktionieren muss. Auf Kreuzungen herrscht gemäßigtes Faustrecht. Angehalten wird grundsätzlich dort, wo es der Fahrgast wünscht, nicht dort wo es am sichersten ist. Die Fahrzeuge sind nicht immer im besten Zustand, so funktionieren oftmals Bremsleuchten und Blinker nicht, Rückspiegel fehlen ebenfalls öfter mal. Jamaicanische Fahrer halten deshalb regelmäßig den Arm aus dem Seitenfenster und geben Handzeichen. Achten sie darauf. Ferner ist am Nachmittag wegen der Schulkinder Vorsicht geboten. Nach Schulschluss strömen sie am Straßenrand oft mehrere Kilometer in Gruppen nach Hause. Auf dem Land gibt es kaum Schulbusse.

Am besten fährt es sich mit einer Art entspannter Aufmerksamkeit. Nicht unbedingt langsam, einfach mit Abstand und sehr wachsam. Ich habe mich schnell daran gewöhnt und fühlte mich nach dem zweiten Tag nicht unsicherer als in unserem Straßenverkehr. Höchstenfalls etwas mehr genervt, wegen der unzähligen, nicht gekennzeichneten und heftigsten Schlaglöcher. Es ist schon erstaunlich, was Autos so aushalten...

Abschließend räume ich aber ein, dass ich auch hierzulande nicht gerade zu den ängstlichen und besonders langsamen Fahrern gehöre und sich darüber hinaus meine Fahrpraxis auf die erste Million Kilometer zu bewegt. Und eine letzte eindringliche Warnung: Den typisch deutschen Ich-Bin-Im-Recht-Fahrstil werden Sie voraussichtlich nicht lange überleben.


Ghanja

Anbau und Handel ist offiziell verboten. Ja, sogar wer Land besitzt auf welchem Ghanja von anderen angebaut wird macht sich strafbar. Angebaut wird es oft gut versteckt unterhalb der Kaffeeplantagen aber auch anderswo. Angeboten bekommt man es fast überall. Jedem sollte es jetzt dämmern worum es sich handelt: Haschisch, Marihuana.

Man wird den Eindruck nicht los, dass das Verbot eher ein außenpolitisches und marktstrategisches Kalkül als eine ernst gemeinte Aktion gegen den Drogenanbau und -Konsum ist. Dazu ist der Anbau ein zu wichtiger Wirtschaftszweig des armen Landes, dazu wird es einfach zu oft und zu unverfroren angeboten. Inzwischen ist einem Rastafari sogar ein Pflänzchen erlaubt. Angeboten wird es überall, am Strand, eingewickelt in Zigarren. Eigentlich weiß ich das mit den Zigarren nicht genau, aber wir lagen in Negril am Strand, zwanzig Meter vom nächsten Verkäufer entfernt. Die Konsumenten spazierten an uns vorbei, die Zigarre erst gerade angesteckt. Die Kicherfrequenz war entschieden höher beim Rückweg mit entsprechend abgeglimmtem Stängel. Wenn Sie erwischt werden, landen sie im Knast, in der Sammelzelle, zusammen mit anderen Kriminellen verschiedenster Art. Sie haben dann die außerordentlich gute Chance, frei von jeglicher Fluchtmöglichkeit, auch die weniger freundlichen Jamaicaner kennen zu lernen. Wenn Sie Glück haben, kommen sie gegen Bezahlung einer nicht unbeträchtlichen Summe wieder frei. Ich gebe zu, gejuckt hat's mich schon, aber ich habe mich entschieden auf dieses potentielle Abenteuer doch lieber zu verzichten....


Jerk

ist gewissermaßen die Spezialität Jamaicas. Aber auch dort ist Jerk nicht gleich Jerk, genauso wie hierzulande Bier nicht gleich Bier ist. Grundsubstanz ist eine Soße die als Würzmittel hauptsächlich Piment enthält. Das Fleisch wird damit bestrichen, etwas liegen gelassen und dann langsam bei niedriger Hitze gegrillt. 
Piment sind die Kerne des entsprechenden Baumes auf Jamaica, der aber nun ganz und gar nichts mit dem uns bekannten Pfeffer zu tun hat. Die Geschmacksstoffe haben einen sehr vielfältigen Charakter, so dass der Baum eigentlich eine Art Gewürzmischung produziert. Auf einer Tour riss unser Tourenleiter ein paar Blätter von einem Baum ab, zerquetschte sie und gab sie uns zur Geruchsprobe. Wir sollten raten. 
Folgende Ideen kamen dabei heraus: Lorbeer, Zimt, Nelken, Minze, Kakao. Alles war irgendwie nachvollziehbar. Es war eben dieser Pimentbaum, aus dessen Fruchtkörnern Jerk hergestellt wird. Je nach dem, wer es zubereitet und wie viel davon verwendet wird, ist das Fleisch dann würzig scharf bis höllisch scharf. Wem höllisch scharf noch nicht genügt, dem wird auch gerne noch Originalsoße zum tunken gereicht...
Wer in der Nähe von Negril ist und wirklich erstklassiges (und auch sauteures) Jerk mitnehmen will, der schreibe mir eine Mail - es ist bestens für gegrillten Schweinebauch geeignet!
Almond Bar/Beaches Sandy Bay


Nebenkosten

Eintrittspreise sind auf Jamaica sehr hoch. Sie bewegen sich zwischen 8 und 15 US-Dollar pro Person für einfache Eintritte, für weiter gehende Dienstleistungen (Bootsfahrten und so weiter) sind schnell mal 20-30 US$ fällig.

Trinkgelder: Es ist üblich im Restaurant und bei anderen Hilfsdiensten ein Trinkgeld von mindestens 50 Jamaica-Dollar zu geben.

Taxis: Ein Taxi zu bekommen ist fast überall sehr einfach. Ich hatte den Eindruck, dass so etwa jedes dritte Auto ein Taxi ist. Sie erkennen ein offizielles Taxi an der roten Autonummer. Sie sind in einem solchen Taxi genauso offiziell versichert. Manche Jamaicaner verdienen sich auch ohne offizielle Taxilizenz ein Zubrot. Vorsicht: Es ist zwar manchmal billiger, Sie sind aber nicht versichert! Falls Sie nicht sowieso schon "angehupt" werden, genügt es die Hand zu heben. Wir standen nirgends länger als eine Minute! Leider sind Taxis nicht gerade billig, sie müssen "handeln" und etwa 1 US$ pro Kilometer kalkulieren.

Mietwagen: Etwa 80-90 US$ pro Tag, hohe Kaution ist üblich (teilweise 1000 US$).

Essen: Teilweise exotisch aber sehr gut! Preisgefüge ähnlich wie in Deutschland, eher noch etwas teurer!

Mitbringsel: Blue Mountain Coffee "Jablum", Rum, handwerkiche Arbeiten, Uhren und Schmuck soll vergleichsweise günstig sein.

Währung: Offizielle Währung ist der Jamaica Dollar (55 J$ = 1 US$). US-Dollar werden aber sehr gerne gesehen! WICHTIG: US$ in hauptsächlich 1-5er Noten, J$ in hauptsächlich 50er (Trinkgeld!) und 100er Scheinen. Sie haben sonst dauernd Probleme mit dem Rückgeld!!

Hygiene und Gesundheit: Erstaunlich für ein Tropenland, dass das Trinkwasser aus der Leitung ohne weiteres zu genießen ist! Es ist zwar stärker gechlort als hierzulande, dafür brauchen sie keine Angst vor Infektionskrankheiten zu haben. Spezielle Impfungen sind ebenfalls nicht erforderlich. Kuriosum: Touristen werden noch im Flugzeug mit Desinfektionsmittel besprüht. 
Es sind - soweit mir bekannt - auch keine besonderen Vorsichtsmaßnahmen beim Verzehr zu beachten. Wir hatten keinerlei Probleme, auch nicht bei Verzehr an der Bude am Straßenrand.


Jamaicanische Begriffe

"Yah - man" oder "Yah - mon"

Yah = yeah/ja - man = man/Mensch, ausgesprochen wie "jamman"
Übersetzung/Gebrauch im Sinne von "Guten Tag", "Tschüss", "Danke", "Bitte".....

"No Problem"
"Mach ich gerne", "Ich probier's mal", "Sie sollten sich Sorgen machen"...

"Soon Come"
Come = kommen - Soon = bald.
Bald hat dabei mit von links nach rechts drastisch steigender Wahrscheinlichkeit die folgenden Bedeutungen:
"demnächst", "übermorgen", "nächste Woche", "irgendwann", "gar nie"....

Verinnerlichen Sie sich diese Begriffe, und sie bekommen schon ein gewisses Gefühl für Jamaica :-)



Stand: Juni 2003