Namibia
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NAMIBIA FÜR ANFÄNGER

Außer dass Namibia früher mal Deutsch-Südwestafrika hieß und eine deutsche Kolonie war wusste ich lange Zeit nicht viel darüber. Doch, aus dem Erdkundeunterricht war mir Namibia noch ein Begriff. Irgend ein kalter Strom zieht da an der Küste vorbei und sorgt dafür, dass das dahinter liegende Land nur sehr wenig Wasser von oben abbekommt. Das war dann aber auch schon alles.

Mein Interesse an Namibia wurde ausschließlich durch Bilder geweckt, speziell vom Sossusvlei. Der "da will ich auch mal hin" Effekt stellte sich ein und ich begann mich näher damit zu beschäftigen. Ich stellte fest, dass die Wege dort vergleichsweise kurz - verglichen mit der Sahara - und unproblematisch sind, die Infrastruktur ist - relativ gesehen - hervorragend. Darüber hinaus hat Namibia auch an Fauna sehr viel zu bieten, gewissermaßen von Allem etwas. Mein großer Traum, eine ausgedehnte Sahara-Durchquerung muss aus verschiedenen Gründen noch warten. Mir schien das Ganze wie "Wüste light", genau das Richtige für einen Einsteiger.

Natürlich weiß ich inzwischen mehr, aber das brauche ich hier nicht breitzutreten, das ist an anderer Stelle schon geschehen.
Ich beschränke mich daher auf unsere subjektiven Eindrücke und Bilder. So, und jetzt hoffentlich viel Spaß!

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25.-28.5. 2006

WINDHOEK

Das Kapitel Windhoek bringen wir schnell hinter uns. Um 6:30 gelandet, erledigen wir die Einreiseformalitäten, die hauptsächlich aus dem Warten in der Schlange bestehen. Ich tausche noch ein bisschen Geld in der Wechselstube, checke unseren Nissan Doublecab 4x4, lasse mir den Wagenheber zeigen und erklären und dann geht's los. In Windhoek haben die Läden noch zu, aber wir wollen sowieso so schnell wie möglich ans Ziel, die Koffer auspacken, zurücklehnen, einen Drink und relaxen. Der Nachtflug war stressig genug.


OKAHANDJA

In Okahandja ist dennoch ein kurzer Einkaufsbummel angesagt. Obwohl wir uns nicht selbst verpflegen, gehen wir auf Nummer sicher und holen 30 Liter Wasser in Kanistern, und einiges an Trockenfutter, Kekse, Biltong. Das müsste als Notproviant für unterwegs reichen, und das tat es auch, wie sich am Ende der zwei Wochen herausstellte. Ein Wasserkanister war übrig. Die frisch gebackenen Hackfleischtaschen ziehen wir uns gleich rein; was für ein Genuss nach dem Flugzeugfraß.



MOUNT ETJO SAFARI LODGE

Das erste Ziel unserer Namibiareise steuern wir mit durchaus gemischten Gefühlen an. Es ist die einzige Unterkunft, die wir geradewegs aus dem Reiseprospekt gebucht haben, ohne uns vorher im Internet zu vergewissern. Als wir unsere Touren mit Hilfe der Infos aus dem Internet zusammenstellten, konnten wir kaum brauchbare Infos über den Ort finden. Nichts richtig Schlechtes, aber auch nichts wirklich Gutes. Unbeantwortete Anfragen per E-Mail bezüglich des Programms und der Kosten trugen auch nicht zu einer Verbesserung der Erwartungshaltung bei. Umso positiver war dann der Eindruck beim Empfang. Das war sicher keine Notlösung, das hatte Potential für einen Volltreffer - schau'n mer mal!

Wir kommen gegen 11:30 an. Wir lassen es erst mal ruhig angehen, kein Gamedrive, keine Löwenfütterung. Mittagessen, dösen und lesen in der Sonne am Wasserloch war angesagt. Nach dem Abendessen holen wir uns eine zweite Flasche Rotwein, ziehen uns warm an, lehnen uns zurück und betrachten den grandiosen Sternenhimmel. Der nur noch von dem auf La Palma getoppt wird.


SPEISESCHAU

Um Sieben geht es los, um halb sieben gibt es Frühstück, nicht viel Zeit also. Eine achtköpfige Truppe Amerikaner verursacht einen Stau an der Rühreibratstelle. Ich mache ihnen klar, dass ich mich weder in die Schlange quetschen noch ihre Rühreier wegessen will, sondern mir mehr nach Baked Beans, Pilzen und Kuduwurst mit gerösteten Zwiebeln und Paprika ist. Freundlich werde ich durchgelassen. Wir sind pünktlich um Sieben am Sammelpunkt, der Ranger begrüßt uns und zeigt uns, wo wir einsteigen sollen. Wir warten, zehn, fünfzehn, zwanzig Minuten. Auf wen? Natürlich auf die Amerikaner. Klar, so viel Rührei muss erst mal gefuttert werden. Ich könnte sie ebenfalls fressen. Auch der Ranger findet das nicht mehr lustig.

Fünf Minuten später nimmt die Truppe wieder eine Topplatzierung in meiner Sympathiehitliste ein. Nicht weil sie inzwischen da sind, sondern weil sie immer noch am Frühstückstisch schwatzen. Wir fahren ohne sie los. Wir bekommen Decken ausgehändigt, ich habe keine Ahnung wozu das gut sein soll, es ist eigentlich schon erträglich lau und ich habe ohnehin alles verfügbare übergezogen. Wenige Minuten später bin ich ganz dankbar dafür, es zieht wirklich giftig in dem vollständig offenen Wagen.

Der Ranger ist bewaffnet mit Funkgerät und Fernglas und fährt auf den Pfaden da hin, wo es was zu sehen gibt. Und es gibt eine Menge zu sehen. Das einzige was wir hier garantiert nicht sehen werden sind allerdings Raubtiere. Elefanten haben wir leider auch keine gesehen, aber so sind sie halt die Dickhäuter, sie haben ihren eigenen Kopf.

Mt. Etjo Safari Lodge ist ein 22.000 Hektar großes Gebiet - also etwa 20x10 Kilometer - mit einem Zaun drum herum. Der Zaun verhindert einerseits, dass die dort angesiedelten Tiere unauffindbar werden oder die Ranger bei den Fahrten zu viel Diesel brauchen. Und natürlich andererseits, dass Raubtiere in dieses Gebiet eindringen und uns unser Abendessen wegfressen.

Damit sich die Tiere innerhalb des Zauns trotz fehlender natürlicher Räuber nicht unkontrolliert vermehren, darf dort auch gejagt werden, allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Ich wage mal die Vermutung, dass eine davon ist, dass das Wildbret dann später in der Mt. Etjo Küche abgegeben wird. Das Ökosystem Zaun-Wild-Küche-Tourist scheint jedenfalls zu funktionieren. Mt. Etjo möge mir diese etwas ironische und subjektive Zusammenfassung verzeihen, natürlich ist die Lodge mehr als das!

Mount Etjo ist beileibe kein Zoo, aber eben auch kein wirkliches Wildlife, weil die paar raubenden Kätzchen in einem getrennten Gehege sind und zur allgemeinen Unterhaltung separat gefüttert werden.

So wird mir langsam klar, warum man in den Internetforen so wenig über Mount Etjo hört: Die Hardliner wollen echtes Wildlife und die anderen schreiben eher an die TUI als ins Internet.




ABHÄNGEN PUR

Bevor sie jetzt aus meinen ironischen Sätzen eine Negativbewertung herauslesen: Das genaue Gegenteil ist der Fall. Mount Etjo ist ein schlicht genialer Ort zum abhängen. Nicht umsonst haben wir dort auch einige Namibier kennen gelernt, die einfach mal ein Wochenende zum Ausspannen brauchten.

Die Gamedrives sind günstig (50 N$ PP), sowohl spannend als auch entspannend und man sieht immer wieder Neues. Wir haben insgesamt drei Mal daran teilgenommen, es hätte auch mehr sein können. Sie dauern jeweils etwa 3-4 Stunden, wenn Sie eine Morgens und ein Nachmittags belegen haben Sie also 7 Stunden Relax-Programm für gerade mal 15 Euro. Wo gibt es das sonst noch?

Wem nach Nichtstun ist, der setzt sich an den See, holt sich einen Drink und liest was, schaut ab und zu auf die Hippos, Pelikane, Flamingos oder allerlei gehörntes Wild. Ein Ausflug zu den Dinospuren, am besten gegen späten Nachmittag, ist ebenfalls sehr lohnend.

Das Essen ist topp, ebenso die großen, im afrikanischen Stil eingerichteten Zimmer, die Gesamtatmosphäre sowieso. Dass Sie das Ganze nicht zum Aldi-Spartarif bekommen, versteht sich von selbst.

Wir jedenfalls waren nach drei Übernachtungen entspannt wie anderswo manchmal nach sieben Tagen nicht, und konnten die kommenden Tage ungeheuer locker angehen.

So steht bereit jetzt fest: Wir werden die nächste Namibiareise wieder genau gleich beginnen, im Mount Etjo!




EINIGE DATEN:

Mobilfunkempfang: Nein
Öffentliches Telefon: Ja, Prepaykarte kann an der Rezeption gekauft werden
Steckdosen: JA, Eurostecker passen direkt, Strom rund um die Uhr
Gesamtbewertung: TOP

28.5. 2006

LÖWENFÜTTERUNG

um 20:30, nach dem Abendessen, geht es los. Es ist bereits eisig kalt, wir haben alles verfügbare angezogen. Trotzdem ärgere ich mich in dem offenen Safariwagen über die vergessene Wollmütze. Die Fahrt in der kalten Nacht, völlig ohne Straßenbeleuchtung, nur der funkelnde Sternenhimmel über uns, erzeugt schon für sich alleine ein großartige Stimmung.

Nach zehn Minuten kommen wir an und werden durch einen kleinen Tunnel in einen bunkerähnlichen, halbrunden Raum geführt. Ein schmaler Sehschlitz, zusätzlich mit einem Stahlgitter versehen gibt den Blick frei. Ein psychologischer Trick um die Gefährlichkeit der Tiere zu verstärken?

Ich spiele ein bisschen an der Kamera herum, das Gitter ist grobmaschig genug, dass man das Objektiv daran anlegen kann ohne dass es optisch im Weg ist. Es reicht so gerade bei ISO 1600 und Blende 1,4 und 1/30. Blitzen will ich auf keinen Fall, auch wenn es andere Besucher tun und die Wärter anscheinend nichts dagegen haben. Nur kurz lasse ich das Schlachtfeld aus den Augen, um nochmal was an der Kamera zu kontrollieren.

Wie aus dem Nichts stehen sie da, lautlos, alle gleichzeitig, wie von Scotty gebeamt, und kreisen um das mit schweren Stahlketten am Boden festgezurrte Futter*. Der Chef inszeniert sofort eine kleine Rauferei, somit ist die Reihenfolge des Fressens festgelegt. Ein einziges Schmatzen, knurpsen und knacken von Knochen, begleitet von bösem Knurren und gelegentlichen Prankenhieben.

Der Chef selbst, wohl noch vollgefressen vom vorigen Abend, hat besseres im Sinn. Seine Auserkorene scheint endlich, mit knurrendem Magen, genügend beschäftigt um ihn an sich heran zu lassen.

Schön, so ist der Fortbestand der Art gleich auf zweifache Weise gesichert.



*Eine Maßnahme die verhindert, dass sich die Löwen das Futter schnappen, in die Dunkelheit zerren und wir für unsere N$ 50 leer ausgehen...

 

 


 

29.5. 2006

MT. ETJO - CAPE CROSS

Es geht weiter. Rund 400 Kilometer Pad liegen vor uns. Wir fahren zunächst die D2483 Richtung Kalkfeld, biegen aber dann ab und fahren die D2414 und dann über die D2329 nach Omaruru. Die C36 führt uns nach Uis, die C35 nach Hentiesbay, dann die C34 schließlich nach Cape Cross.

Die ersten zwei Drittel sind schön, aber nichts gewaltig neues, hauptsächlich Busch- und Baumsavanne mit ein paar Bergen. Wir öffnen und schließen unzählige Gates, sehen die fast komplette Mt. Etjo Fauna in freier Natur.

Nach Uis verändert sich die Landschaft vollständig. Ich habe das schon beim Betrachten von Satellitenaufnahmen vermutet. Topfeben, die überbreite und schnurgerade Pad verliert sich in Schlieren am Horizont. In der Ferne, hinten und links von uns, sind gerade noch das Brandberg-Massiv und die Spitzkoppe sichtbar. Dann eine kaum spürbare Kurve und noch einmal 45 Kilometer das gleiche Spiel. Darüber legt sich der tiefblaue, klare, wolkenlose Himmel. Eine absolute, faszinierende Leere. Mehrfach steigen wir aus, aber es gelingt mir nicht die Stimmung fotografisch einzufangen.

Irgendwie verliere ich jedes Gefühl für Geschwindigkeit und stelle regelmäßig fest, dass ich mit mehr als 120 km/h über die Pad donnere, was nun wirklich entschieden zu viel ist. Ein Tempomat wäre nicht schlecht. Meine Frau mutiert zu einem wirksamen Ersatz. Immer wieder schrillt es von Links "Schon wieder Hundertzwanzig". Ich versuche mich in Mäßigung, die aber bestenfalls wenige Minuten andauert. Die empfohlenen Achtzig sind mir entschieden zu langsam. Alles unter 100 scheint genetisch nicht in mir angelegt zu sein. Also versuche ich es damit, nach einiger Zeit gelingt es mir so einigermaßen.

In der Ferne kündigt sich eine horizontbreite Hügelkette an. Sind das Dünen? Nein, es sind die tief hängenden Wolken über dem kalten Benguela-Strom. Wir wissen dass die Küste nicht mehr weit ist. Bald wissen wir, dass wir das nur glaubten. Es ist unglaublich wie man hier die Entfernung unterschätzt.

Die Gegend nach Hentiesbay ist stellenweise sehr interessant wegen der vielen Salztümpel und -formationen. Ich will sie mir aber erst am kommenden Tag, auf unserer Fahrt nach Swakopmund, etwas näher anscheuen. Gegen 15 Uhr kommen wir an der Cape-Cross Lodge an. Wir bringen unser restlos eingestaubtes Gepäck vor dem kommenden Robbengestank in Sicherheit und ziehen weiter.


Einige Daten zur Cape Cross Lodge
Mobilfunk: JA, aber schlechte Verständigung, trotz vollem Signal
Steckdosen: Bedingt (werden über Nacht abgeschaltet), Lademöglichkeit im Büro

 



29.5. 2006

CAPE CROSS SEAL COLONY - DIE KAMPFWURSTKOLONIE

Afrikaner scheinen ein anderes Temperaturempfinden zu haben als wir. An der Pforte zum Cape Cross hat es vielleicht 18 Grad bei mäßigem Wind, Bedingungen bei denen ich mich längst im T-Shirt pudelwohl fühle. Wir wollen den Eintritt bezahlen und entdecken die Dame auf einem Stuhl in der Ecke kauernd. Die Wollmütze tief in das Gesicht gezogen, ein Schal um den Hals, bestimmt drei dicke Pullover übereinander und mit Handschuhen an, starrt Sie uns ungläubig an. Ich glaube sie friert trotzdem wie ein Schlosshund. Und Ihre Gedanken lassen sich auch leicht ablesen: "Die spinnen, die Europäer".

Schafsherdengeblöke schlagt mir entgegen, als ich die Tür öffne. Lediglich der Gestank ist völlig anders, allerdings bei weitem nicht so schlimm wie oft beschrieben. Das mag wohl am geruchsfreundlichen Wetter liegen: Etwa achtzehn Grad bei jetzt steifem Wind.

Da liegen sie also, kreuz und quer, verteilt, untereinander, nebeneinander, übereinander, so weit das Auge reicht. Ungezählte in den Sand gepresste, verendete Jungtiere, entweder totgetrampelt oder orientierungslos durch das grobmaschige Netz dieser Metropolis gefallen, verhungert. Robben scheinen nur einen Weg zu kennen. Zielpunkt fixieren und dann stur geradeaus. Die darunter liegenden Hindernisse quittieren das, je nach Größe und Gemütszustand, entweder mit dem Ableben, stoischem Gleichmut oder wilder Bissigkeit.

Eine Mauer grenzt die Reviere der geradauslaufenden und lenkenden Zellhaufen ab. An einer Stelle ist sie allerdings durchbrochen, einer Einladung gleichkommend, die jedoch sofort wieder relativiert wird: Überall stehen Schilder, die darauf hinweisen, nicht die Grenze der Mauer zu überschreiten. Eigentlich völlig überflüssig. Nicht im Traum würde es mir einfallen in diesen blökenden, stinkenden Haufen, wild um sich beißender, fetter Würste zu begeben.

Mein Nachbar scheint sich in seiner Hypertraumphase zu befinden, jedenfalls steht er unversehens mittendrin. Er hat offensichtlich übersehen, dass das nicht die brav Männchen machenden Putzies aus dem Zoo sind. Mir liegen einige giftige Attribute auf der Zunge aber ich verkneife sie mir. Schließlich sorgen er und der Türsteher der Kolonie in den nächsten Minuten für feine Unterhaltung.

Nachdem die Zuständigkeiten seitens der Kolonie geklärt sind, stürmt eine von ihnen mit der robbentypischen Unbeholfenheit heran. Zum ersten Mal flammt in mir so etwas wie Sympathie gegenüber diesen Würsten auf. Mein Nachbar ist ziemlich überrascht von deren Tempo und macht sich etwas unkoordiniert auf den Rückzug. Fast wäre er gestolpert, aber es reicht trotzdem. Robbe ist schließlich langsamer als Mensch, zu Lande. Der Abstand ist erst mal wieder hergestellt. Einige Drohgebärden, Gekeife und die Robbe legt wieder los. Das Spiel wiederholt sich noch einige Male, die beiden sind inzwischen einige Meter diesseits der Mauer angelangt. Ein letzter Angriff und sie lässt ab, legt sich in den Sand, mitten in unserem Revier.

Doch so ganz zufrieden scheint sie noch nicht zu sein. Sie dreht ihren Kopf, sieht mich, endlich bekomme auch ich meine Ration Aufmerksamkeit ab. Obwohl ich mindestens fünfzehn Meter entfernt stehe. Wie wild stürmt sie auf mich zu, ich mache noch ein Bild, dann sehe auch ich mich gezwungen den Rückzug anzutreten. Zwei Meter gehe ich nach hinten. Das scheint ihr zu genügen. Es ging wohl ums Prinzip.

Eigentlich wäre es ja an der Zeit, unser Revier zu verteidigen, aus Prinzip. Aber der Klügere gibt nach. Diesmal.



DAS KREUZ MIT DEM DIGITALEN ZEUGS, TEIL I

Das muss ausgerechnet mir passieren. Mir, der auch bei einer siebentägigen Trekking-Tour völlig ohne Stromanschluss noch digital fotografieren würde. Ich weiß dass das geht, aber wie das so ist, man passt sich der Situation an. Der vermeintlichen. Wenn man davon ausgeht dass Strom da ist, nimmt man eben das Notebook mit und disponiert drum herum. Wir machen Namibia für Anfänger, also in Lodges, und Lodges haben nun mal Strom. Aber die Tücke liegt im Detail, wie immer.

Natürlich hat auch Cape Cross Strom und wir müssen auch nicht nachts im Dunkeln aufs Klo tappen. Aber das kleine und feine Detail lautet: Abends ab 8 Uhr werden die Steckdosen auf den Zimmern abgeschaltet.

Der Strom wird tagsüber mit Solarzellen erzeugt, in Batterien gespeichert und mittels eines Generators in Wechselstrom umgewandelt. Das hat natürlich verschiedene Vorteile. Zum Beispiel muss man keine hunderte Kilometer lange Stromleitungen ins Nirwana bauen. Und man ist vom namibischen Stromnetz unabhängig, das schon hin und wieder mal zusammenbricht.

Damit nun Ihr Frühstücksei gesichert ist und Sie sich nicht beschweren, wird eben alles abgeschaltet, was unnötigerweise Strom verbrauche könnte, so einfach ist das.

Als Service bietet die Lodge natürlich an, die Akkus über Nacht im Büro aufzuladen. Aber wenn man wie wir mit zwei Digitalkameras, Notebook und Camcorder unterwegs ist, dann kann das ganz schön lästig werden.

Aber irgendwie habe ich das alles wohl geahnt. Jedenfalls kaufte ich in letzter Minute noch
einen kleinen Spannungswandler 12-220 V. Wer sich einen Namibiaurlaub leisten kann, sollte auch noch Zweiunddreißgfünfzig dafür unterbringen, und ich rate dringend dazu. Es kam noch ein Verteiler dran und so hatten wir Abends immer volle Akkus und Notebook und konnten unsere Bilder betrachten.

Ein Trick der möglicherweise nicht funktioniert, wenn Sie mit einer Reisegruppe unterwegs sind. Ich kann den Busfahrer verstehen, wenn er sich nicht auf ein Gekloppe um den Zigarrenanzünder einlassen will.

 


 

 


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30.5. 2006


CAPE CROSS - SWAKOPMUND

Wir fahren nicht direkt nach Swakopmund. Wir wollen auch die Gegend bis zum Gate der Sceleton Coast sehen. In der Nähe von Mile 108 soll ferner ein Schiffswrack, die Winston, liegen. Obwohl die Landschaft hier eigentlich nicht besonders viel zu bieten hat, ist die Stimmung dennoch grandios. An Tieren sehen wir hauptsächlich Schakale die nach Nahrung stöbern.

Endlich, ein Hinweisschild zeigt an, dass es links zur Winston geht.
Wir biegen ab, die ersten Kilometer sind gut befahrbar. Dann beginnt der Sand, Spuren sind nur noch mit Mühe auszumachen. Ich schalte auf 4H und lege los. Nach 300 Metern ist Schluss. Der Wagen steckt fest. Ich steige aus und registriere sofort, dass sich nur die Hinterräder ein Stück eingegraben haben. Ich verriegle die Freilaufnaben und schiebe hinten einiges and Sand weg. Trotzdem bekomme ich den Wagen nur durch schaukeln wieder frei, fahre die 300 Meter ein einem Stück zurück. Ein Angler kommt uns entgegen, grinst breit, und meine Laune sinkt in finsterste Kellertiefen. Wir beratschlagen, was zu tun ist. Wir könnten zu Fuß gehen, aber wir haben das Wrack nirgends, auch nicht in der Ferne gesehen. Wir lassen es bleiben und drehen um. Im Rückspiegel sehe  ich den Angler. Auch er kommt nicht weiter und dreht schließlich um. Meine Laune ist wieder über Normalpegel.

Wir fahren weiter, bis zum Eingang der Skelettküste. Die Landschaft ist flach, die Spur oft kaum vorn der Umgebung zu unterscheiden, die Landschaft eintönig. Nein, nur scheinbar. Bei genauerem Hinsehen entdeckt man allerlei Gewächs, sogar blühendes. An einer Stelle (siehe zweite Reihe links) muss ich grinsen: Absicht?

Die Pad wechselt abrupt zwischen autobahnähnlicher Oberfläche, die mit fast beliebiger Geschwindigkeit befahrbar ist, bösen Spurrillen und Schlaglöchern. Zwischendurch kann es auch mal etwas feucht sein. Es kann auch alles zusammenkommen. Besonders die Reihenfolge "Autobahn", dann Senke mit feuchten Spurrillen und abschließend Schlaglöcher sorgt für Adrenalin pur. Wenn Sie das nicht rechtzeitig schnallen, dann haben Sie ein Problem, ein massives!

Ein Kuriosum sind einige Verkehrsschilder: 34 km bis zur Meile 108 steht da drauf. Das liest sich zwar witzig, hat aber historisch schon seinen Sinn.

Bei Meile 108 ist eine Tankstelle verzeichnet, sicherheitshalber halten wir auf dem Rückweg an. Es würde zwar mit ziemlicher Sicherheit sogar bis Swakopmund reichen, aber in Namibia ist man besser vorsichtig.

Doch alles was wir sehen sind Duschen und ein Turm mit Wasserkanistern. Irgendwie frage ich mich, wer hier wohl campen will, aber das ist schließlich nicht mein Problem. Ich gehe ein bisschen herum und entdecke alles mögliche, bloß keine Tankstelle. Karte veraltet, denke ich. Inzwischen ist ein kleiner LKW vorgefahren und hält an einem Transformatorenhäuschen an.

Ich will gerade wieder zum Wagen gehen, als mir eine Frau entgegeneilt. Ob ich duschen wolle. Ich mache ihr klar dass nicht ich Bedarf nach Flüssigkeit habe, sondern mein Auto. Sie grinst und meint, ich solle mich hinter den LKW stellen. Dann öffnet Sie die Schiebetür des Trafohäuschens und ich erspähe zwei überdimensionale Zapfsäulen. Ich frage mich wie die da rein gekommen sind. Aber wahrscheinlich waren sie zuerst da und dann wurde das Häuschen drum herum gebaut.

Der LKW vor uns ist entweder komplett leer, hat zwei Löcher im Tank oder die Pumpe ist schon ziemlich müde. Oder alle drei Dinge zusammen. Jedenfalls dauert es fast 20 Minuten bis wir an der Reihe sind.

Wir fahren gemütlich weiter. Vor allem die Landschaft zwischen Cape Cross und Hentiesbay fasziniert mich besonders. Salzkrusten, Salztümpel die je nach Alter und damit bakteriellem Zustand zwischen hellem Blaugrün und dunklem Rotviolett schimmern, wechseln sich ab. Wir nehmen uns viel Zeit, erkunden die Gegend zu Fuß. Mancher Makrokosmos sieht aus wie eine Landschaft aus der Luft betrachtet. Immer wieder sehe ich vergammelte, halb skelettierte Robben, so weit vom Strand entfernt dass ich mich frage, wie sie von so weit hierher gekommen sind; von Schakalen verschleppt?

Gegen 16 Uhr kommen wir im Hansa Hotel in Swakopmund an.
Inklusive aller Nebenstrecken sind auch an diesem Tag wieder fast 300 Kilometer zusammengekommen. Zu Hause auf Landstraßen wäre das der pure Stress gewesen. Es ist erstaunlich mit wie viel Entspannung man hier drei oder vierhundert Kilometer am Tag zurücklegen kann.

 



30.5. - 3.6.2006


HANSA HOTEL

Wir belegen unsere riesigen Zimmer. Ich verschwinde im Bad und erschrecke: Kaum zu glauben, dass die mich an der Rezeption nicht postwendend wieder rausgeschmissen haben. Verstaubt, zerlumpt sehe ich mein gegenüber. Also sofort ab in die Dusche und rasieren. "Ich kenn' dich zwar nicht, aber ich rasier' dich trotzdem".

Der Blick auf die Speisekarte verschlägt mir den Atem: Scheiße, das wird teuer! Das Ganze liest sich wie ein Abenteuer der Grande Cuisine. Es ist nicht namibiatypisch billig, aber keinesfalls teuer und macht einem schon deshalb mit absoluter Verbindlichkeit klar dass man ein Idiot ist, wenn man woanders isst.

Sofern das, was sich auf dem Teller findet ähnlich schmeckt wie sich die Karte liest. Ich habe schon zu oft das Gegenteil erlebt und schöpfe Hoffnung. Sie wird enttäuscht. Es schmeckt mindestens so gut.

Wir zahlen zwischen null und zwanzig Prozent mehr als wenn wir zu Hause stinknormal gutbürgerlich essen; haben aber immer einen Aperitif dabei, ein solides Dreigangmenü, eine ordentliche Flasche Wein, neben zwei kostenlosen Grüßen aus der Küche, die als Zwischengang serviert werden.

Wir fressen uns durch Cappuccino von Kalahari-Trüffel, Springbokrücken in Parmesan-Kräuterpanade, Tranchen vom Gemsbok, Straußenfilet Rosselini, Bergzebra Jacky, Straußenleber und allerlei andere Leckereien. Aber auch die vegetarischen Gerichte können sich schmecken lassen.

Leider sind die Abende weniger und kürzer als die Speisekarte lang.


 


 


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31.5. 2006

WELWITSCHIA DRIVE

Vier Stunden soll man sich für den ganzen Drive Zeit nehmen, empfiehlt der Reiseführer. Wir reservieren den ganzen Tag, sonst sind wir um Drei zurück, verpassen die Abendsonne, essen stattdessen Kuchen und haben abends keinen Hunger.

Die erforderliche Permit ist schnell ausgestellt und es geht los.
Man soll nicht die Aussichtsstellen verlassen, steht in den Führern. Überall sind klar sichtbar Trampelpfade, sogar Fahrzeugspuren, kreuz und quer, was sicherlich nicht sein muss. Inzwischen bin ich mir mit den Trampelpfaden nicht mehr so sicher, ich sehe niemanden herumlaufen, und es sind einige Urlauber unterwegs, auf der Pad.

Es herrscht eine erstaunliche Artenvielfalt in dieser Einöde. Man muss nur genauer hinschauen. Es blüht alles mögliche, sogar Schmetterlinge sind zu sehen. Selbst Strauße scheinen sich hier wohl zu fühlen. Die Familie hatte jedenfalls 15 Küken.

Am dritten Aussichtspunkt habe ich die Nase voll, schnappe meinen Rucksack und schlendere auf einem der vermeintlichen Pfade ein bisschen durch die Gegend. Ich will Wüste spüren, nicht nur sehen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen dass meine paar Fußstapfen eine erdgeschichtliche Rolle spielen werden, und dass ich keine Pflanzen zertrete, darauf passe ich schon auf.

Es ist alles andere als eine fotogene Gegend in der Mittagssonne, aber umso beeindruckender wenn man alleine und fern von Parkplatz in diesem stillen Glutofen steht.

Nach einer Stunde hechle ich zurück zum Wagen. Es ist brüllend heiß, das erste Mal seit wir in Namibia sind. Mein Durst  zieht mit dem Nissan gleich. Der erste Liter geht in Sekunden runter, alle paar Minuten hänge ich wieder an der Flasche. Mir ist trotzdem danach die Klimaanlage abzuschalten um den Eindruck wirklich voll abzubekommen. Es scheitert am energischen Widerstand meiner beiden Begleiter: "Wohl zu viel Sonne abbekommen oder was...".

Wir fahren weiter zum namengebenden Ort dieses Ausflugs, den ersten Welwitschias. Sie sind speziell dort keineswegs selten, im Gegenteil. Alle fünfzig Meter belegt eine, einer Insel gleich, ihren Platz für die nächsten Jahrtausende. Sie ist auch genauso hässlich wie auf den bereits gesehenen Bildern. Aber sie ist faszinierend, bewundernswert ihre konzeptionelle Reinheit, geschaffen um in dieser unwirtlichen Umgebung zu überleben, über Jahrtausende.
Ein Satz, den ich so ähnlich schon mal gehört habe. Wenigstens brauchen wir keine Angst zu haben, dass sie uns aus dem Lüftungsschacht der Klimaanlage bedroht. Gegen 14.30 fahren wir die Strecke langsam zurück.

Die Pad verwandelt sich streckenweise zu erbärmlichem Wellblech. Man hat nur drei Möglichkeiten. Entweder kriechen und möglicherweise ein gefährliches Verkehrshindernis darstellen, angepasst fahren und sich übelst durchschütteln zu lassen oder mit null Bodenhaftung im Tiefflug darüberzufegen.

Wir biegen ab auf die D1991 die direkt durch die Mondlandschaft, durch das Swakop-Rivier führt. Faszinierend, dort auf einmal ausgedehnte Galeriewälder anzutreffen. Wir drehen um und kommen gegen 16 Uhr an Aussichtspunkt vier an. Ich mache noch einmal eine kleine Tour. Die tiefstehende Sonne verwandelt die ehemals fast schwarz-weiße Landschaft  in ein gelb-rotes Meer. Sie bekommt einen fast lieblichen Charakter. Das sieht zwar hübsch aus, aber eigentlich gibt es nur ein Licht, das dieser gnadenlosen, brachialen Landschaft gerecht wird: Harte Mittagssonne.

Wir brechen auf. Die letzten Strahlen der untergehenden Sonne markieren den Rand der Pad mit einem schmalen, roten Streifen. Wenige Minuten später legt sich nur noch das diffuse Restlicht über die Pad, und sie ist kaum noch zu orten. Jetzt weiß ich, warum Nachtfahrten in Namibia nicht sehr empfehlenswert sind.

1.6. 2006

SANDWICH HARBOUR

Wir hatten die Tour bereits von zu Hause aus bei Mola-Mola gebucht. Ein äußerst angenehmer Schriftwechsel per E-mail der immer prompt, freundlich und zuvorkommend behandelt wurde. Sicherlich hätten wir die Tour am Strand entlang mit unserem 4x4 durchführen können, aber mir fehlt es einfach an Erfahrung. Und das was wir zusätzlich noch erleben sollten, nein, keine Chance!

Robert ist ein Namibier, bei dem man nach wenigen Minuten spürt, dass er sein Land mit jeder Faser seines Daseins liebt, kennt und auch über ökologische Zusammenhänge sehr gut bescheid weiß. Er findet darüber hinaus das perfekte Maß zwischen Präsenz und Zurückhaltung, er ist immer da wenn man das will und dennoch angenehm im Hintergrund, so dass wir den Tag trotzdem für uns alleine genießen können. Um neun geht's los. Wir steigen in seinen Defender ein.

Es sind zwar schon ein paar Flamingos in der Bucht, allerdings nicht gerade viele. Er meint, es sei in Etosha und Botswana nach den ergiebigen Regenfällen noch nicht trocken genug, als dass sie sich dort verziehen und nach Walvis Bay kommen. Es werden zwar jeden Tag mehr, aber die Lagune ist längst noch nicht voll.

Es geht an der Salzfabrik vorbei, fast unmerklich auf die erste Düne mit herrlicher Aussicht auf das Werk. Ob wir gut gefrühstückt hätten, fragt er. Oder besser, es schon verdaut hätten. Er grinst, er wolle uns ein kleines Appetithäppchen geben auf das was da noch kommen soll. Er fährt geradeaus zum Dünenkamm, noch ein Stückchen der Wagen kippt nach vorne und wir hängen in den Gurten. Das sind also 30°, auf dem Papier sieht das lasch aus, im Jeep eher nach Achterbahn. Langsam gleiten wir hinunter. Ob das auch andersherum geht, frage ich ihn. Sicher, meint er mit einem Grinsen. Aber nicht hier, weil die Düne unten kantig auf dem flachen Untergrund ausläuft und er keinen Anlauf nehmen kann, ohne die Vorderachse zu zerlegen. Das käme aber noch. Sogar noch vor dem Mittagessen. Ich weiß was er meint und lache.

Wir fahren weiter am Strand entlang, durch Schilf, eine zweite Art Mondlandschaft. Die unzähligen Hügel sind durch durch Naras entstanden. Der Sand verfängt sich darin, die Nara wächst mit. Der Wind weht von Westen, treibt immer mehr Nebel herein. Er entschuldigt sich für das Wetter. Er könne nicht garantieren, dass sich den Nebel wieder verzieht. Es stört uns nicht, der Nebel zaubert seine eigene Stimmung.

Erstaunlich wie viele Sandfarben es gibt,  dies sich wegen ihrer unterschiedlichen Dichte auch sauber trennen. Grauer Sand, gelber Sand, schwarzer Sand, roter Sand, der sich in Wellenmustern über den anderen legt. Gegen elf kommen wir an der Lagune an.

Das erste was wir spüren sind Milliarden von Fliegen. Der Wind bläst scharf von Süden, der Nebel hat sich wieder aufgelöst, die Fliegen pieksen wie Nadelstiche auf der Haut.

Wir nehmen uns zwei Stunden Zeit, gehen völlig allein die Lagune entlang.
Wir beobachten hauptsächlich junge Flamingos, Enten und Pelikane. Die Pelikane sind äußerst vorsichtig und lassen uns auf gerade mal 200 Meter ran.


ROLLERCOASTER

Wir fahren zurück. Auf einmal verlässt er die Spur nach rechts. Er gibt Vollgas. Wir fahren geradewegs die Dünenflanke hinauf, fahren in den Himmel. Kurz vor der Kante nimmt er Gas raus. Der Wagen kippt nach vorne, wieder hängen wir in den Gurten, diesmal ist die Entfernung nach unten allerdings erheblich größer als das erste Mal. Zunächst geht es gemächlich runter, dann fährt er mit Vollgas auf die nächste Dünenflanke zu, diesmal allerdings quer. Eigentlich weiß ich was jetzt kommt. Er nimmt sie als Steilkurve rechts, stößt in den Sattel hinab die kommende Flanke nimmt er als Steilkurve links. Rollercoaster.


Er hat Spuren entdeckt, Springbokspuren. Mit Vollgas geht er der Spur nach auf den nächsten Dünenkamm. Und da steht er, zweihundert Meter von uns entfernt, mutterseelenallein in diesem überdimensionalen Sandkasten. Er beobachtet uns. Wenige Sekunden später sucht er staubend das Weite. Es geht die nächste Dünenflanke runter. Mitten drin hält er an und steigt aus. Er wolle uns etwas zeigen. Ich sehe ihn im Sand graben, er kommt zurück, einen Haufen Sand in beiden Händen. Der Sand rieselt zwischen den Händen hindurch, zurück bleibt eine Wüsteneidechse, die sich im Sand vergraben hatte. Toll, er fährt Dünenflanken runter und sieht nebenbei auch noch sich vergrabende Eidechsen. Die Eidechse scheint das nicht so toll zu finden, jedenfalls sucht sie das Weite. Im Wageninnern wuselt sie kreuz und quer herum, wir müssen höllisch aufpassen, dass wir sie nicht einquetschen. Irgendwann ist sie müde und zieht seine wärmende Hand dem Wagenboden vor. Fett und vollgefressen sei sie von den vielen Fliegen, meint er. Sie könne notfalls einen Monat ohne Nahrung überstehen. In ausreichender Entfernung vom Wagen setzt er sie wieder in den Sand.



Beim Mittagessen quetsche ich ihn ein bisschen aus. So einen Spezialisten trifft man nicht alle Tage. Letzten Endes meint er, dass das Fahren im Sand kein allzu großes Problem sei, das könne man recht schnell lernen. Das wichtigste sei die Kenntnis der Natur vor Ort. Und das lerne man nicht mal schnell in einer halben Stunde. Sie müssten regelmäßig feststeckende Touristen rausziehen, die sich verschätzt, Ebbe und Flut unterschätzt hätten. An eine Dünenfahrt mit einem normalen 4x4 wäre ohnehin nicht zu denken. Er hat Spezialreifen mit höherer Flanke, die bei verringerten Druck fast die doppelte Kontaktfläche haben. Er gibt mir noch einige Tipps für Sossusvlei.


Kosten: 800 N$ PP.
Prädikat: Unbedingt empfehlenswert!

 



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2.6.2006


DESERT FLIGHT

Eigentlich hatten wir ihn schon im Vorfeld aus der Planung gestrichen, weil mit den Ausgaben auch irgendwann mal Schluss sein muss. Letzten Endes können wir es dann doch nicht lassen und schauen, quasi in letzter Minute, was sich noch machen lässt. Natürlich sind keine freien Plätze mehr verfügbar. Nur noch freie Flugzeuge. Das ist im Prinzip natürlich genauso gut, hat aber den Nachteil, dass das ganze die Kosten zusätzlich in die Höhe treibt weil die Flugkosten dann nur durch drei, statt durch fünf gehen. Er bietet von sich aus 2100 N$ PP an, wir handeln noch ein bisschen, schließlich akzeptiere ich. In einem Anfall schwäbischer Sparsamkeit erwähne ich, dass wir nichts dagegen haben, wenn er zwei weitere Gäste für diesen Flug auftreibt.

Damit steht auch fest, was wir am Vormittag anstellen: Wir bummeln ein bisschen durch Swakopmund, es gibt teilweise wirklich schönes Kunsthandwerk. Unser Sohn verdrückt sich in en Internetcafé, wir treffen uns später zu einem Bier. Es folgt der Spruch der Woche:   "Voll krass ey, alles deutsch hier aber nix mit konkrete Dönerbude"

14:30. Er hat es tatsächlich geschafft, er hat zwei weitere Gäste aufgetrieben. Wir zahlen letzten Endes pro Nase den üblichen Preis von 1375 N$ was ich für einen 2 1/4 Stunden Flug absolut akzeptabel finde. Ob es für uns das bessere Geschäft ist sei dahingestellt. Für den entsprechenden Mehrpreis hätten zwei von uns auf beiden Seiten rausschauen können. Aber was soll's, es tut dem insgesamt grandiosen Erlebnis keinen wirklichen Abbruch.

Der Pilot begrüßt uns, zeigt uns die Plätze, wo die Kotztüten zu finden sind. Es könnte recht turbulent werden, meint er. Er fragt, wer von uns neben ihm sitzen will. Ich halte mich vornehm zurück, ziemlich schnell wird klar das von den Anderen keiner Lust hatte dort den Flug zu verbringen. Obwohl ich ahne, dass ich jetzt einen Fehler mache, sage ich zu: "Nun, wenn keiner hier schreit dann bin ich's". Zumindest sitze ich ohne lange Diskussionen auf der optisch besseren Seite, nämlich rechts, und sehe vorne ein bisschen, was so als nächstes auf uns zu kommt.

Dieser Vorteil ist gravierend, die zugehörenden Nachteile leider nicht minder. Ich darf die Beine nicht ausstrecken, weil ich sonst die Pedalerie des Copiloten berühren würde. Zudem sind nicht wenige Knöpfe und Hebel in meinem Fußraum verteilt, an denen er immer wieder rumstellen muss um den Flieger bei Laune zu halten.

Letzten Endes hocke ich einhundertfünfunddreißig Minuten lang zusammengekauert da wie auf einem engen Klo, mehrfach schläft mir die Hinterbacke ein. Hoch lebe der enge LTU-Charter.

Das alles liest sich allerdings weitaus schlimmer als letzten Endes ist. Die grandiose Landschaft unter uns lässt mich diese Unbill schnell und weitestgehend vergessen. Ich spiele noch ein bisschen an der Kamera, stelle bald fest, das ich die lange Tüte mit dem VR getrost im Fußraum lassen kann, ich würde mit meinem Kopf am Piloten kleben. Nein der Brennweitenbereich 24-70 ist ideal, es ist so turbulent, dass mit längeren Brennweiten sowieso kein scharfes Bild herauskäme. Polfilter muss sein, f/11 muss sein, 1/1500 muss sein, also ISO 800, unter diesen Bedingungen. Alles auf manuell gestellt, dass die Kamera ja nicht auf die Idee kommt auf irgendeinen Kratzer oder Reflex auf der Scheibe scharf zu stellen. Glücklicherweise sind die Scheiben sauber geputzt.

Die Landschaft kurz hinter Swakopmund ist von oben so spannend wie von unten. Wenigstens der Flug an sich sorgt für Aufregung. Die Maschine sackt im Minutentakt durch, die Tragflächen ziehen sie wieder nach oben, das Cockpit verspannt sich, es zischt jedes Mal am Türschlitz oben.

Doch das Bild ändert sich sehr bald. Die roten Dünen jenseits des Kuiseb Riviers ziehen sich wie rote Adern durch die Landschaft. Kurios, wie präzise sich der Sand am Kuiseb Rivier trennt: Nördlich davon ist er gelb, südlich davon rot. Wir fliegen an der Forschungsstation Gobabeb vorbei, es geht weiter über den Kuiseb Canyon. Der rote Sand der Dünen rieselt stellenweise sichtbar den Kuiseb Canyon hinunter. Wir sehen Solitaire, queren den Tsondab Vlei und biegen über dem Tsauchab nach Westen in den Sossusvlei ab. An vielen Stellen im Sossusvlei ist noch Wasser zu sehen, wir versuchen sie uns zu merken.

Über dem Dead Vlei dreht er weiter ab. Die Landschaft wird zunehmend skurriler, surrealer. Nicht mehr roter, stattdessen weißer Sand. Weiche Sandwellen wechseln sich ab mit Kräuselmustern die sich im Horizont verlieren. Irgend wann liegen die fast weißen Dünen nur noch einzeln, skurril verteilt über einer art Salzpfanne. Sand und Wind hätten mehrfache Designerpreise verdient. Eine mehrtägige Wanderung vom Dead Vlei zur Edouard Bohlen schießt mir in den Sinn, wäre sicherlich recht nett. Wenn man nur einen Träger für die zweihundert Liter Wasser hätte oder einen Flieger, der ab und zu mal ein Lunchpaket abwirft.

Über der Edouard Bohlen dreht er endgültig nach Nordwesten ab. Es vergeht kein Kilometer ohne eine Kolonie dieser fetten Bratwürste, die ohne zu bezahlen in der Sonne brutzeln. Und ich muss teuer dafür löhnen. In meinem nächsten Leben werde ich Robbe. In Namibia.

Wer jetzt links sitzt hat die sogenannte A-Karte. Er sieht Meer, sonst nichts. Völlig unspektakulär liegt die am Vortag besuchte, grandiose Landschaft des Sandwich Harbour unter uns. Erst Richtung Walvis Bay wird die Landschaft wieder interessanter. Nein, teilweise völlig abgefahren.

Kurz vor Sonnenuntergang setzt er wieder zur Landung an. Ich kann das Ganze Weiterempfehlen.


Kosten: N$ 1375 PP
Prädikat: Sie fragen noch?


 



3. 6. 2006

SWAKOPMUND - BÜLLSPORT

Wir brechen auf, mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Einerseits hätten wir noch gerne einige Tage in diesem Fresstempel verbracht, die Speisekarte war noch längst nicht abgearbeitet. Andererseits besteht eine Afrikareise nicht nur aus Schlemmereien. Es ist Zeit für ein neues Umfeld.

Wir fahren über die B2 nach Walvis Bay und nehmen dann die C14. Die ganze, oft als trostlos beschriebene Landschaft wandelt sich ziemlich bald zu einem in pastellgrün eingepackten Wattemeer. Die Pad ist eingesäumt von gelben Blütenteppichen. Auch hier haben die starken Regenfälle ihre positiven Spuren hinterlassen. Nach etwa 120 Kilometern weiß ich, dass ich aufpassen muss, ich will die Abzweigung zur Henno Martin Shelter am Karpfenkliff nicht verpassen. Und dann der Schock, "Permit required". Ich wusste die ganze Zeit, dass ich in Swakopmund etwas vergessen habe. Das war es, die Permit. Ich lasse ein paar Flüche los, überlege die Strecke kurzerhand ohne Permit zu fahren, schließlich sind wir noch nie kontrolliert worden.

Meine Frau hält mich davon ab und meint, wir könnten im Kuiseb Canyon anhalten und dort ein bisschen gehen, sie hat recht.
Wasserlöcher gibt es zur Genüge, eines liegt an einer sandigen Stelle. Es sind keine Tiere da, aber die Spuren noch frisch. Hyäne war darunter und eine größere Katze, was eigentlich nur ein Leopard gewesen sein kann, die Krallenabdrücke fehlen. Wieviele Augen uns wohl beobachten?

Nach einer Stunde geht's weiter, die andere Seite des Kuiseb Canyon rauf. In der Ferne ist der Gamsberg, direkt vor uns der Rotstock zu sehen, seine Farbe lässt jedenfalls keine Zweifel aufkommen. Es hat etwas besonderes, die von Henno Martin vor vielen Jahren beschriebene Landschaft mit eigenen Augen zu entdecken. Später, sehen wir rechter Hand die Roten Dünen. Wir passieren den südlichen Wendekreis, markiert mit einem überdimensionalen Schild.

Gegen ein Uhr kommen wir in Solitaire an, wir müssen tanken. Ein Mittagessen kann auch nicht schaden. Bratwurst gibt es, mit Pommes und Gemüse. Macht billige 26 N$, kommt nicht ganz an die Haute Cuisine im Hansa Hotel ran; und schmeckt trotzdem. Wir beobachten noch einige Zeit das wuselige Treiben an diesem Dreh- und Angelpunkt in der Wüste.

Aus Satellitenbildern weiß ich, dass Büllsport auf Kilometer soundso, direkt am Ausgang des Naukluftgebirges liegen muss. Wir sehen genau dort eine Siedlung, aber nicht den geringsten Hinweis auf Büllsport. Ich fahre weiter, vielleicht habe ich mich verrechnet. Nach zehn Kilometern drehe ich um, fahre zurück und einfach rein. Es ist Büllsport. Bei der abendlichen Wanderung auf dem Kudu-Trail sehen wir dann, warum wir es zunächst verpasst haben: Der Wind hatte das Hinweisschild flachgelegt.


DAS KREUZ MIT DEM DIGITALEN ZEUGS, TEIL II

Die Zimmer in Büllsport haben Strom und Steckdosen. Aber was lese ich da? "Nicht zum aufladen von Akkus geeignet". Das will mir überhaupt nicht einleuchten, Strom ist zwar nicht Strom, aber warum soll ein Radio funktionieren und ein Ladegerät nicht?

Ich kann mir bestenfalls vorstellen, dass auch diese Steckdosen nachts abgeschaltet werden und so mancher dann am nächsten Morgen mit leeren Akkus loszieht. Ich hänge also das Zeugs dran und es funktioniert.

Beim Abendessen hake ich nach. Frau Sauber erzählt uns, dass Büllsport einen elektronischen Wechselstromgenerator hat, der zwar effizient arbeitet, aber keinen Sinus liefert sondern einen oberwellenreichen Trapez. Im Büro, wo die empfindlichen Computer stehen, ist wohl alles einigermaßen gefiltert, sonst nicht. Sie hätten tatsächlich schon Probleme mit abgeschossenen Ladegeräten gehabt, deshalb der Warnhinweis.

Selbstverständlich darf man auch hier seine Ladegeräte ins Büro bringen. Meine Akkus sind inzwischen voll und der Lader hat es überlebt. Auch das Notebook läuft noch. Trotzdem bringe ich meinen Schleppie am nächsten Morgen lieber ins Büro zum Nachladen.

 




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BÜLLSPORT

Ein vier Sterne Hotel und eine Gästefarm sind natürlich völlig verschiedene Welten. Alles ist erheblich einfacher, aber blitzsauber. Ich hasse Autan, ich hasse Mücken und ich hasse geschlossene Fenster. Diese Abneigungen wollen natürlich nicht so recht zusammenpassen. Ein Fliegengitter sorgt für den gemeinsamen Nenner. Diesen Komfort gab es nicht mal im Hotel. Für eine angenehme Nacht sollte also gesorgt sein.

Kurzum, wir fühlen uns bereits nach wenigen Minuten pudelwohl. Das ausgezeichnete Abendessen findet an einem großen Tisch, zusammen mit den Gastgebern statt. Man kommt ins Gespräch, erfährt allerlei Interessantes, auch von den anderen Gästen.

Nach dem Abendessen diskutieren wir das Programm für den nächsten Tag. Wir wollen auf jeden Fall etwas unternehmen, am liebsten die Wanderung durch die Köcherbaumschlucht. Unser Guide sagt irgendwas von 10 Uhr, was uns zu spät ist. Wir einigen uns auf 8 Uhr, direkt nach dem Frühstück.



4. 6. 2006


QUIVERTREE GORGE / KÖCHERBAUMSCHLUCHT

Um 8 Uhr, kurz nach dem Frühstück geht es los. Die Fahrt scheint schier endlos aber sehr interessant, es geht über steile Bergpfade direkt ins Naukluft-Gebirge. Wir beobachten Bergzebras, Klippspringer, Klippschliefer, Paviane, Strauße, Warzenschweine und Kudus. Eigentlich ist es eher umgekehrt, sie beobachten uns. Und wahrscheinlich sind es hundertmal mehr als wir sehen.

Nach etwa zwei Stunden Fahrt kommen wir am Ausgangspunk an, es ist bereits 10.15 Uhr. Es geht fast nur abwärts, etwa nach einer halben Stunde biegen wir in die Schlucht ein.

Es ist noch viel Wasser da, die Gumpen sind tief, überall plätschert es. Abgeschliffene Felsen und meterhohes Gestrüpp das sich an Baumstämmen angesammelt hat zeigen, dass hier schon manchmal die Post abgeht. Wir queren einige Male den Gebirgsbach, steigen nach links auf. Ich fühle mich massiv an die Caldera de Taburiente erinnert, mit dem kleinen Unterschied allerdings, dass hier die Fauna erheblich spannender ist. Wir entdecken allerlei Vögel, Warane, Klippschliefer. Leider ist das Licht zu dieser Zeit extrem schlecht, so gelingen kaum vorzeigbare Fotos.

An einigen Stellen hat ein bisschen Alpinerfahrung eine sehr beruhigende Wirkung, trittsicher und schwindelfrei sollte man auf jeden Fall sein. Das nahe Ende der Tour markiert ein etwa 20m hoher Wasserfall. Pünktlich gegen 13.15 Uhr kommt uns Herr Sauber im Geländewagen entgegen.

Abschließend finden wir es schade, dass wir in Büllsport nicht wenigstens einen weiteren Tage eingeplant haben. Die Wandermöglichkeiten sind sehr vielfältig. Wer daran Spaß hat ist hier ausgezeichnet aufgehoben.




Die Strecke nach Desert Homestead ist schnell bewältigt, auf der D0854 sind es gerade mal 75 km. Ausgerechnet hier, mitten in der Wüste, mussten wir ein mit Wasser gefülltes Rivier passieren. Die abenteuerliche Tiefe von 10 cm nötigt mir einen Anlauf ab, damit das Foto wenigstens einigermaßen hübsch wird.

 



4.6.-7.6. 2006

DESERT HOMESTEAD

"In the middle of nowhere" - so beschreiben sie es selbst. Man sieht sie von Weitem, die - glaube ich - fünfzehn reedbedeckten Häuschen mit dem Hauptgebäude. Die Hütten sind eigentlich sehr einfach, aber alles ist auf eine so gewitzte und originelle Art arrangiert, dass man das überhaupt nicht so empfindet. Und das Wichtigste ist topp: Das Bett. Dazu kommt eine unvergleichliche landschaftliche Lage, wesentlich schöner als Sesriem, jedenfalls für meinen Geschmack

Und noch eine Kleinigkeit fällt mir auf. Der Eindruck mag zwar täuschen aber dafür ist er mir zu deutlich. Schwarz wie Weiß treten zum ersten Mal gleichermaßen mit einem äußerst angenehmen Selbstbewusstsein auf. Zudem spürt man eine Art Gemeinschaftsgeist im Sinne von: Wir machen das und wir machen das gut. Und sie machen es gut, sehr gut sogar. Es fehlt an nichts, weder an gutem Essen noch an Drinks noch an gutem Wein. Sogar das Wasser ist direkt aus der Leitung trinkbar. Sie wollen eine Sundownertour machen? Prima, das macht 30 Meter zur Bar und zurück auf Ihre Terrasse. Achso, Sie wollen weg? Merci, ich nehme gerne Ihren Patz ein.

Mobilempfang: JA
Essen: Sehr gut, 120 N$ PP (Dreigang).
Unterkunft: Einfach, aber sehr originell und angenehm
Lage: Ausgezeichnete landschaftliche Lage



DAS KREUZ MIT DEM DIGITALEN ZEUGS, TEIL III

In Desert Homestead ist das Steckdosenproblem völlig anders gelöst. Es gibt weder nicht geeigneten Strom noch ein Abschalten von Steckdosen. Sie ahnen es bereits, Steckdosen gibt es erst gar nicht, so einfach ist das, basta.

Aber kein Problem, in der Nähe der Rezeption ist für Abhilfe gesorgt. Ein dicker Mehrfachverteiler liegt herum an den Sie nach Herzenslust stöpseln dürfen. Dumm nur, wenn der große Reisebus vor Ihnen angekommen ist.

Dem Personal dort würde ich blind über den Weg trauen, den Touristen eher nicht, und so habe ich kein gutes Gefühl dabei, meinen Schleppie über Nacht dort zu lassen. Immer wieder sehe ich Touristen die den Abendtisch verlassen um nachzusehen ob mit Ihrem Gerät in dem Stöpsel- und Kabelsalat noch alles in Ordnung ist. Bon Appetit!

Irgendwie will ich mich schon aus Prinzip nicht damit abfinden, zücke mein Elektriker-Werkzeug und gehe mit Taschenlampe auf Suche, zerlege Nachttischlampen, Verteiler, schalte herum und habe ziemlich schnell zwei brauchbare Lösungskonzepte, wie ich dort meinen Mehrfachstecker installiere. Letzten Ende lasse ich es dann doch bleiben und schraube alles wieder zusammen, weil ich befürchte, dass es die Putzfrau irgendwann sieht und ich nicht überproportional unangenehm auffallen will. Wir haben schließlich unseren Spannungswandler.

Eines ist sicher: Das nächste mal bastle ich mir einen Adapter E15/E27 auf Steckdose - die Lampenfassungen die ich gesehen habe waren alle die gleichen wie hier.

 

 


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TANKEN? MACHT 320 KM PLUS REIFENWECHSEL

Dass Büllsport seit Beginn des Jahres geschlossen ist wissen wir aus dem Internet. Was uns herzlich wenig interessiert, weil Sesriem sowieso wesentlich näher liegt. Was wir allerdings am Abendtisch in Büllsport von anderen Gästen erfahren, ist schon weniger nach unserem Geschmack: Sesriem hat zu dieser Zeit bereits seit zwei Tagen kein Benzin mehr.

Auf der Rückfahrt von  unserer ersten Sossusvlei-Tour, zwei Tage später, halte ich kurz an der Tankstelle in Sesriem an. Der Tankwart ist komplett entnervt und winkt wild ab. Ich möchte nicht wissen was er sich schon alles anhören musste und fahre mit einem freundlichen Gruß weiter. Wir müssen davon ausgehen, dass Sesriem auch die nächsten Tage keinen Sprit hat und wissen dass Solitaire unser nächstes Ziel ist. Vielleicht haben wir ja Glück und bekommen an der dazwischen liegenden Tankstelle etwas. Sie hat geschlossen.
Insgesamt waren das also 160 km zum Tankstopp, Teil 1.

Die Spritversorgung sollte nun inklusive Rückfahrt nach Windhoek geklärt sein. Theoretisch. Ein beunruhigendes Szenario macht sich in meinen Gedanken breit.

Wir haben zwei Alternativen: Entweder den letzten Tag von der Fahrstrecke her so planen, dass es auf der Rückfahrt nach Windhoek noch bis Solitaire reicht, was grundsätzlich kein Problem wäre. Oder auf Nummer Sicher zu gehen, am nächsten Morgen zur Elimdüne, dann sofort nach Solitaire zum Tanken. Dann würde es ohne weiteren Tankstopp nach Windhoek reichen. Die zweite Alternative finde ich wesentlich beruhigender, weil ich mir schon ausmale, was passiert, wenn alle die bisher in Büllsport, Sesriem und der Tankstelle dazwischen tanken wollten auf einmal in Solitaire aufkreuzen. Auch die bekommen den Saft nicht aus der Pipeline.

Am nächsten Abend besprechen wir mit Andrew, dem Geschäftsführer von Desert Homestead die Lage. Ich erzähle ihm nichts von meinen Befürchtungen, nur die nackten Fakten. Er schlägt zunächst Büllsport vor. Er ist sichtlich überrascht als wir ihm erzählen, dass es dort schon seit ein paar Monaten keinen Treibstoff mehr zu kaufen gibt. Er grübelt nicht lange. Er bezeichnet Alternative eins  in der gegebenen Situation als absolutes "No No". Kein Mensch könne voraussehen, wie lange es in der augenblicklichen Situation in Solitaire noch Treibstoff gäbe, er würde auf jeden Fall auf Nummer sicher gehen und so schnell wie möglich in Solitaire voll tanken.

Die Elimdüne frühmorgens zu besuchen hält er sowieso für eine ausgezeichnete Idee. Dort ist zu dieser Zeit nichts los, weil alle zum Sossusvlei rasen. Wir wissen also was zu tun ist. Der Andrang in Solitaire ist extrem, wir warten fast eine dreiviertel Stunde bis der Rüssel im Tankstutzen landet. Nun kann, was den Sprit anbelangt nichts mehr schief gehen. Wir trinken noch einen Kaffe, genießen den frischgebackenen Apfelkuchen und machen uns auf den Rückweg.

Der Wind bläst von schräg vorne und zerrt wie wild am Wagen. Er schafft gerade mal noch 90 im Vierten. Nur wenige Sekunden später glaube ich nicht mehr so recht an meine Gegenwindtheorie. Ein Blick in den rechten Rückspiegel bestätigt meine Befürchtung, der Hinterreifen wirbelt wie wild Staub auf. "Boxenstopp", Reifenwechsel, der erstaunlich schnell geht, in kaum zehn Minuten erledigt ist. Das waren also nochmal 160 km zum Tankstopp. Macht zusammen 320 km. Plus Reifenwechsel.

Beim Abendessen erfahren wir dann, dass in Sesriem gegen 14.00 der Tanklastwagen vorbeigekommen ist. Ich versuche mich zu ärgern, aber es gelingt mir nicht. Wir lächeln und stoßen an. Wir sind in Afrika.

 




SESRIEM, DOPPELT GESICHERT

In unserem Rieseführer von 2004 steht, dass man gegen eine Sondergebühr von 50 N$ eine Stunde vor Sonnenaufgang hineinfahren darf. Entweder der Schreiber hat das falsch verstanden oder es hat sich inzwischen geändert.

Nix da, es kostet 80N$ PP plus 10 N$ für das Fahrzeug, und sie kommen bei Sonnenaufgang rein bzw. müssen spätestens bei Sonnenuntergang wieder raus. Außer sie sind bereits innerhalb des ersten Gates und wohnen in der Sesriem Lodge bzw. dem Campingplatz. Sesriem ist nämlich doppelt gesichert. Ein äußeres Gate grenzt Zahl- und Tankstelle sowie Sesriem nach außen hin ab und wird bei Sonnenaufgang geöffnet bzw. Sonnenuntergang geschlossen. Ein inneres grenzt Sesriem zum Sossusvlei hin ab und wird eine Stunde vor Sonnenaufgang geöffnet bzw. nach Sonnenuntergang geschlossen.

Man könnte nun lange über das Warum und Wieso diskutieren. Mir leuchtet das völlig ein: Wer früh rein will soll gefälligst in Sesriem übernachten, am besten in der teuren Lodge.


RUSH HOUR

Zeitgenossen die gerne fotografieren muss klar sein, dass wenn sie nicht dort übernachten, die zum fotografieren beste Zeit extrem kurz ist. Ich meine jetzt nicht die langweilige rote Kugel mit dem 600er, sondern einfach das extrem tief stehende Licht, das nicht von diffusem Dunst verschleiert wird, sondern am Höhepunkt die Schatten mit scharfer Präzision in die Unendlichkeit wirft.

Sie dürfen sechzig fahren, haben vierundsechzig Kilometer vor sich, also müssen Sie mehr als eine Stunde vor Sonnenuntergang den Rückzug antreten. Genau zur besten Zeit.

Sie wollen wenigstens die Elimdüne bei Sonnenaufgang erleben? Viel Glück. Meistens warten schon einige Autos vor Ihnen am Gate. Sie müssen noch die Formalitäten für die Permit erledigen und bezahlen. Es ist nicht damit getan den N$-Schein aus dem Fenster zu halten. Sie sind schlau und wollen das schon im Voraus für den nächsten Tag erledigen? Sesriem ist noch schlauer, auch das geht nicht. Schon wieder ist eine halbe Stunde weg.

Bis Sie dann im Sossusvlei sind, ist es inklusive aller Stopps, die Sie sicher machen werden bereits 2 Stunden nach Sonnenaufgang. Und das Licht wird mit jeder Minute schlechter. Trösten Sie sich, Sie sind nicht alleine. Es ist Rush Hour.




SOSSUSVLEI


Wir brechen früh auf, es gibt ein kleines Frühstück um halb sechs und jeder bekommt ein Lunchpaket mit auf die Reise. Die 35 km nach Sesriem sind ruckzuck hinter uns und wir kommen etwa zehn Minuten vor Öffnung der Tore an. Leider sind wir nicht die ersten, es stehen bereits sechs Autos vor uns.
Bis wir die Formulare ausgefüllt und die Permit bezahlt haben und das zweite Gate passieren können ist es fast sieben Uhr. Dann die positive Überraschung. Die Strecke ist inzwischen fast vollständig neu asphaltiert, lediglich an zwei Stellen müssen wir noch auf die recht gut befahrbare Pad daneben ausweichen. Auf der gesamten Strecke gilt Tempo 60, was allerdings niemanden zu interessieren scheint.

Ich muss schmunzeln, die Landschaft hat, abgesehen davon dass einige rote Sandberge herumliegen, absolut nichts wüstenhaftes. Sie ist paradiesisch, sie liegt wieder in diesem plüschweichen pastellgrün, überall sind Springböcke, Oryx und Strauße zu sehen. Wir überlegen, and der Dune 45 anzuhalten, aber was wir dort sehen, sieht mehr nach Fußgängerstau aus. Wir fahren durch bis zum Sossusvlei.


4x4 STRECKE MIT HOHEM SPASSFAKTOR.

Es gibt zwei Methoden die letzten vier Kilometer zu bewältigen, vorausgesetzt Sie haben einen Wagen mit Vierradantrieb. Die erste ist in manchen Broschüren beschrieben. Luft raus (hoffentlich haben Sie einen Druckprüfer dabei), 4L, Freilaufnabe auf "Lock" und langsam im zweiten oder dritten durch. Das ist sicher, gemütlich, funktioniert zu 100% und Sie können auch mal anhalten und kommen danach trotzdem weiter.

Die zweite hat uns unser Fahrer zum Sandwich Harbour erklärt. Er hatte volles Verständnis dafür, dass ich keine Lust hatte Luft herauszulassen, dann 60 Kilometer langsam rumzugurken um die Reifen nicht zu überhitzen und dann an der Tankstelle in Sesriem wieder nachzupumpen.

Das geht dann so: Luft drin lassen, Freilaufnabe "locken", 4H, anbeschleunigen und im 2ten Gang bei Tempo 40-50 und Vollgas durch den Sand. Wenn man merkt, dass es der Wagen im Zweiten nicht mehr zieht sofort runter in den Ersten. Methode zwei erscheint mir unkomplizierter und spaßiger.

Die praktische Erfahrung bestätigt das dann auch. Sollten Sie allerdings Panikattacken bei schlingernden Fahrzeugen bekommen, dann wählen Sie besser die andere Methode. Leider endet der Fahrspaß recht abrupt nach 5 Minuten. Wir sind am 4x4 Parkplatz angelangt.


SCHLUSS MIT DEM GELABER

An dieser Stelle habe ich mich endgültig dazu entschlossen, mit der Schreiberei aufzuhören.

Ich könnte mich noch leise darüber ärgern, dass wir nicht vor Sonnenaufgang in den Park kamen oder am Abend früher den Rückzug antreten mussten als wir wollten. Dass wir kaum zur besten Zeit fotografieren konnten. Dass wir vielleicht doch lieber eine Nacht in der Sesriem-Lodge gebucht hätten?

Egal, es spielt keine wirkliche Rolle. Der Sossusvlei ist auch so schlicht die großartigste Landschaft, die ich je erleben durfte. Ich könnte eine komplette Woche dort verbringen.

Ab jetzt sprechen Bilder.

 

 

 

 
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URLAUBSSATT

Diesmal war alles anders, diesmal ist alles anders. Wir haben schon allerlei erlebt, hatten in Einzelfällen auch schon mal die Schnauze voll. Das meine ich selbstverständlich nicht mit Urlaubssatt.

Meistens fallen wir gegen Ende eher in eine leichte Depression. Sie kennen das: "Wie gerne wären wir noch länger geblieben und überhaupt und jetzt fängt der Alltagstrott wieder an". Das nenne ich erst recht nicht Urlaubssatt.

Nichts von Beidem hier. Zwei Wochen Namibia liegen nach allgemeinem Verständnis eher an der unteren zeitlichen Grenze. Ich würde dem auch nicht unbedingt widersprechen.

Aber wir sind satt. Es ist wie nach einem 7-Gang Sternemenü. Teuer, aber jeden Cent wert, wenn es gut gemacht ist. Und Namibia war nicht nur gut, sondern exzellent "gemacht".

Ein Mehr würde sicher noch gehen, aber es würde den Gesamtgenuss vielleicht eher schmälern als erweitern. Ja, ein anderes Mal wieder, ganz sicher, aber das andere Mal muss auch nicht morgen sein. Wir wissen auch schon ziemlich genau, was wir das nächste Mal machen. Sceleton Coast, Epupa Falls, Victoria Falls und Etosha. Namibia sieht uns wieder, ganz sicher, solange uns keine äußeren Umstände daran hindern.

Aber nächstes Jahr geht's erst mal nach Cuba...





REISEDATEN

25. Mai - 9. Juni 2006
Flug: LTU München Windhoek
Buchung: TUI, DER Tours, Meyer's Reisen
Stationen: Mt. Etjo Safari Lodge, Cape Cross Lodge, Hansa Hotel in Swakopmund, Büllsport, Desert Homestead, Windhoek
Fahrzeug: Nissan 4x4 Doublecab 2,4-16
Kameras: Fuji S3+Nikon 12-24 DX, F2-Mode= "Velvia Mode", Fuji S2+Nikon 80-400 VR, Nikon D70 mit wechselnden Objektiven. Polfilter

EIN BESONDERES DANKESCHÖN

...an Andrea und Christian Heinrich, die mir mit vielen wertvollen Tipps zur Seite standen. Ihre Homepage ist übrigens ein absolutes muss für jeden, der im südlichen Afrika Urlaub machen will. Nicht nur viele hervorragende Tipps und Reiseberichte, sondern auch exzellente Bilder gibt es dort!

...last but not least, an das wirklich tolle Namibia-Forum. Obwohl ich dort nicht öffentlich in Erscheinung getreten bin, habe ich durch dieses außerordentlich viele Informationen erhalten, indem ich allein die Suchfunktion benutzt habe. Einige wenige offengebliebene Fragen habe ich dann doch nicht gestellt. Ein bisschen Ungewissheit, Abenteuer muss schließlich bleiben. Es grüßt herzlichst: CAZUL !

BEGRIFFSERKLÄRUNGEN

N$= Namibische Doller. 1 Euro = ca 7,5 N$ (Stand 5/2006)
PP Pro Person
Gemsbok = Oryx Antilope
Start der Site / Stand der Informationen: 25.6.2006
Last Edit: 5.7.2006

Alle Bilder Copyright Rosemarie oder Wilfried Danner